Vegan oder nicht vegan – was verbirgt sich hinter Säften?

Immer wieder erreicht uns die Frage, ob gekaufte Obstsäfte denn nun vegan seien oder nicht. Berechtigte Frage, denn per Definition ist Fruchtsaft zunächst einmal ein durch Auspressen reifer Früchte erzeugtes Produkt und als solches rein pflanzlich.
Das bedeutet, das jeder Saft, den wir uns eigenständig und zum sofortigen Genuss bereiten, natürlich vegan ist (vorausgesetzt, wir haben den womöglich im Apfel lebenden Wurm liebevoll umgesiedelt 😉 ).

Bei den abgefüllten Säften, die wir im Handel kaufen können, kommen nach dem reinen Vorgang der Saftgewinnung jedoch bis zur Abfüllung noch zahlreiche Arbeitsschritte hinzu. Ein wichtiger Aspekt fällt dabei dem Kapitel „Schönungen“ zu, die aus wirtschaftlichen, stabilisierenden oder sensorischen Gründen vollzogen werden.
Genau dort kommt es zum Einsatz sogenannter Schönungsmittel. Eines davon ist die Gelatine, in der Regel Schweinegelatine, und damit ist der Saft im strengsten Sinne nicht mehr vegan.

Gelatine und weitere Stoffe wie Bentonit, Kieselgur oder Enzympräparate, die in erster Linie der Filtration und Klärung dienen, dürfen laut der Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung (FrSaftErfrischGetrV) verwendet werden. Allerdings besteht keine Deklarationspflicht auf dem Etikett, was es dem Verbraucher schwierig macht, zu entscheiden, ob ein Saft vegan ist oder nicht.

Diese Stoffe werden eingesetzt, um in erster Linie Eiweiße und Gerbstoffe aus dem Saft zu entfernen und somit späteren Ausflockungen nach der Abfüllung  vorzubeugen. Hierbei kommt es zu physikalischen Komplexbildungen, die zu Boden sinken und im weiteren Verlauf mittels einer Filtration aus dem Produkt entfernt werden.
Es ist jedoch nicht möglich, mit absoluter Sicherheit ein komplettes Entfernen der Gelatine zu garantieren.

 

 

Vor allem klare Säfte sollte man diesbezüglich mit Vorsicht „geniessen“. Es gibt mittlerweile auch rein physikalische Klärungsverfahren (z.B. UIltrafiltration), bei der auf den Einsatz tierischer Schönungsmittel komplett verzichtet wird, aber da ein Hinweis darauf im Normalfall nicht auf den Etiketten verzeichnet ist, ist es schwierig, eine Unterscheidung zu treffen.
Besser abschätzen kann man naturtrübe Säfte. Da diese nicht geklärt und auch nicht filtriert sind, ist die Gefahr einer Kontaminierung mit tierischen Produkten deutlich geringer, läßt sich aber leider nicht gänzlich ausschließen.

Insbesondere wenn dem Saft Provitamin A (Betakarotin) zugesetzt wurde, ist in der Regel Fischgelatine dazu verwendet worden, um die Löslichkeit zu gewährleisten.

Unterscheiden muss man unbedingt zwischen vegan und bio – leider ist nicht jeder Biosaft automatisch auch vegan. Biosäfte werden ebenfalls mit Gelatine geschönt, eventuell kommt auch Honig als Süßungsmittel zum Einsatz.
Generell gibt es aber ein paar Merkmale und Empfehlungen, um sicherzustellen oder zumindest eine gute Chance zu haben, ein veganes Produkt zu bekommen:

  • der sicherste Weg führt darüber, Säfte zu wählen, die über das Vegan-Siegel verfügen
  • im Zweifelsfall lieber zu unfiltrierten Säften greifen
  • die Deklaration auf dem Etikett durchschauen. Ist Betacarotin zugesetzt, ist aller Wahrscheinlichkeit nach auch Gelatine im Spiel
  • es gibt Listen im Internet, die vegane Säfte und andere Getränke aufführen. Der Einkaufsguide von PETAZwei bietet z.B. eine ganz gute Orientierungshilfe.

Die beste und sicherste Variante ist und bleibt es jedoch, Säfte selbst zu pressen und frisch zu verzehren. So weiss man nicht nur genau, was drin oder eben nicht drin ist, sondern hat auch noch die volle Bandbreite an Nährstoffen, Vitaminen und Enzymen zur Verfügung, die durch das allgemein übliche Pasteurisieren Schaden nehmen.